„Missionswissenschaft ist ein Störfaktor“

19.12.2016

Pater Christian Tauchner zum neuen Direktor des Steyler Missionswissenschaftlichen Instituts ernannt

Pater Christian Tauchner SVD ist neuer Direktor des Steyler Missionswissenschaftlichen Instituts in Sankt Augustin. Im November wurde der Steyler Missionar zum Nachfolger von Prof. Dr. Martin Üffing SVD ernannt, der seit Mai als Provinzial die Deutsche Provinz der Steyler Missionare leitet.

Der 60-jährige Tauchner ist gebürtiger Österreicher und hat als Missionar über 20 Jahre in Ecuador gearbeitet. Seit 2005 ist er Mitglied des Steyler Missionswissenschaftlichen Instituts, seit 2013 als stellvertretender Direktor verantwortlich für die Publikationen des Hauses. Der Missionswissenschaftler und Medienexperte wurde für das Triennium 2016-2019 zum Direktor bestellt.

Auf der Mitgliederversammlung des Instituts Ende November wurde zudem der Steyler Missionar Polykarp Ulin Agan SVD, Leiter der Akademie Völker und Kulturen, zum Vize-Direktor gewählt. Seine Ordensbrüder Jerzy Skrabania SVD, Leiter des Museums „Haus Völker und Kulturen“, Stanislaw Grodz SVD, Sankt Augustin, und Cletus Colaço SVD, München, vervollständigen den neuen Vorstand des Steyler Missionswissenschaftlichen Institut e.V.

„Missionswissenschaft ist im Bereich der Theologie, aber auch im größeren Rahmen von Kirche und selbst bei den Steyler Missionaren ein Störfaktor. Und das ist ihre wesentliche Aufgabe“, umreißt Pater Tauchner den Auftrag seines Fachs. Sie sei „Theologie im interkulturellen Begegnungsraum“ und richte ihr Forschungsinteresse notwendigerweise nach außen. Daher bekomme sie Themen und Fragestellungen in den Blick, die im Binnenbereich noch gar nicht wahrgenommen würden. So möchte er mit seinem Institut gerne „der Hecht sein in dem Karpfenteich von Kirche und SVD, der immer wieder Bewegung reinbringt in die normalen Abläufe.“

Auch wenn die Missionswissenschaft in Deutschland in den letzten 20 Jahren Lehrstühle verloren habe und ihr mitunter der Exotenstatus anhafte – an ihrer Relevanz lässt Tauchner keinen Zweifel: „Durch die Hintertür Interkulturalität, Globalisierung und Postkolonialismus werden ihre Fragestellungen wieder in die theologische Reflexion importiert.“ Und schließlich sei „Kirche wesentlich missionarisch“, wie das II. Vaticanum mit dem Dekret Ad Gentes bestimmt hat – und eben nicht wesentlich vom Dogma oder der Hierarchie her zu verstehen.

Konkrete Forschungsprojekte sieht Tauchner aus der Arbeit seines Ordens erwachsen: „Worin besteht unsere Mission in Europa? Das fragen unsere Mitbrüder in ganz Europa, und wir wollen mit dem Missionswissenschaftlichen Institut dazu kreative Vorschläge entwickeln und Reflexionsprozesse anregen.“ Ein wichtiges Anliegen ist ihm auch die „lebendige Partnerschaft“ mit der Philosophisch-Theologischen Hochschule SVD in Sankt Augustin (PTH). Viele Institutsmitglieder würden als Dozenten der PTH ihr einzigartiges Profil mit dem Schwerpunkt „Mission, Kulturen und Religionen“ verleihen. Daneben ist das Institut aktiv in der interkulturellen Fortbildung von Missionaren der Orden in Deutschland engagiert.

Einen weiteren Schwerpunkt verortet Tauchner in der Instituts-Bibliothek, die mit ihren vielen historischen Beständen aus der Missionsgeschichte auch auswärtigen Wissenschaftlern eine wertvolle Forschungsstätte biete. Und schließlich werde er weiterhin die Publikation von missionswissenschaftlichen Büchern, der Zeitschrift „Verbum SVD“ und der „Steyler Missionschronik“ betreuen.

Zur Person
Christian Tauchner wurde 1956 in St. Corona am Wechsel (Niederösterreich) geboren. Seit 1974 ist er Mitglied der Steyler Missionare (Societas Verbi Divini – SVD). Er hat das Studium der Theologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Gabriel in Mödling mit Magister 1983 abgeschlossen mit einer Arbeit in Missionstheologie über Johannes Thauren SVD.

1982 wurde er zum Priester geweiht, und es folgte seine Ausreise nach Ekuador. Dort war er vor allem im Medienbereich, bei ALER (Lateinamerikanische Vereinigung für Erziehung über Radio) und in der Medienausbildung der Steyler tätig. Weiter engagierte sich Tauchner in den Themen von Evangelisierung und Radio, sowie Film und Spiritualität und absolvierte ein Studium der Massenkommunikationsforschung in Leicester, Großbritannien (Master of Arts 1990). Er arbeitete zu Fragen der Kommunikation als Dimension der Steyler Missionare und war Zonenkoordinator der Pan-Amerikanischen Zone.

Von 1995 bis 2004 war er Herausgeber der spanischsprachigen Ausgabe von Spiritus in Quito, Ecuador sowie Koordinator des theologischen Beratungsteams der Ordensleutekonferenz Ecuadors. 2005 kehrte er zurück nach Österreich und arbeitete bis März 2013 als Chefredakteur der Stadt Gottes (Österreich) und inhaltlicher Leiter des Zeitschriftenverlags.

Seitdem ist er Mitglied der Deutschen Provinz der Steyler Missionare. Seit 2005 ist er Mitglied des Steyler Missionswissenschaftlichen Instituts in Sankt Augustin und war ab Dezember 2013 dessen stellvertretender Direktor. Im November 2016 erfolgte die Ernennung zum Direktor.

Steyler Missionswissenschaftliche Institut
Das Steyler Missionswissenschaftliche Institut e. V. ist ein Forschungsinstitut der Steyler Missionare mit Sitz in Sankt Augustin und arbeitet auf dem Gebiet der Missionswissenschaft und Missionstheologie (www.missionswissenschaft.eu). Die Pflege und Förderung wissenschaftlichen Nachwuchses, die Vorbereitung von Missionaren auf die Begegnung mit anderen Religionen und Kulturen sowie die Durchführung von missionstheologischen Kursen und Kongressen gehören zu seinen Aufgaben. Das Institut besitzt eine Fachbibliothek mit fast 30.000 Bänden und etwa 160 Fachzeitschriften. Es gibt die wissenschaftliche Reihe „Studia Instituti Missiologici SVD“ heraus und publiziert die Zeitschrift „Verbum SVD“ und die „Steyler Missionschronik“.

 

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