PTH verleiht Preis „Begegnung der Kulturen“ an Prof. Dr. Judith Becker

16.10.2017

Sankt Augustin / Deutschland - Professor Dr. Judith Becker ist von der Philosophisch-Theologischen Hochschule SVD St. Augustin (PTH) mit dem Wissenschaftspreis „Begegnung der Kulturen“ für ihre Habilitationsschrift „Conversio im Wandel. Basler Missionare zwischen Europa und Südindien und die Ausbildung einer Kontaktreligiosität, 1834-1860“ ausgezeichnet worden. Rektor Professor Dr. Bernd Werle SVD überreichte ihr den mit 1.500 Euro dotierten Preis am Dienstag in einer Feierstunde an der PTH.

In ihrer Arbeit untersucht Professor Dr. Judith Becker die Missionsarbeit der Basler Missionare in Südindien in der Mitte des 19. Jahrhunderts und arbeitet heraus, wie sich zwei verschiedene Kulturen und Religionen, Hindus und zumeist reformierte Christen, begegnet sind. Dazu entwickelt sie den Begriff „Kontaktreligiosität“, der die Veränderungen auf beiden Seiten – bei den Missionierten wie den Missionaren – in den Blick nimmt. Professor Bernd Werle würdigte die Forschungsarbeit „als herausragend und als Inspirationsquelle für eine weitere Vertiefung des Profils der Hochschule“.

„Es ist mir eine große Ehre und eine große Freude, einen katholischen Preis zu bekommen, weil das eine Interkonfessionalität und konfessionelle Zusammenarbeit zeigt, die mit sehr wichtig ist“, sagte Professor Dr. Judith Becker zur Verleihung der Auszeichnung. „Und besonders gefreut habe ich mich über den Titel des Preises, „Begegnung der Kulturen“, der meinen wissenschaftlichen und persönlichen Interessen sehr nahekommt“.

In ihrem Vortrag analysierte sie anhand von massenmedial verbreiteten Bildern aus den Missionsgebieten die dahinterstehende Einheits- und Superiorität-Konzepte der christlichen Rezipienten. Auch wenn die Bilder immer wieder eine kulturelle und religiöse Überlegenheit oder die christliche Einheit und universale Menschlichkeit inszenierten, so zeigte ihr genauer Blick auf die Details und historischen Kontexte, dass sich diese Hierarchien in der Verflechtung von Konzepten des Selbst und des Anderen, vervielfältigten und perspektivierten. So war der einfache Missionar im Vergleich mit dem indischen Brahmanen in der Bildung durchaus unterlegen, und aus der Sicht der Missionare in Indien war der Luxus der Christen in Europa sündhafter als die Armut der Missionierten.

In seiner Laudatio schlug Dr. Frank Ewerszumrode OP, Lektor für Dogmatische Theologie an der PTH Sankt Augustin, auch einen persönlichen Bogen zu der Preisträgerin. In ihrer Übung zu dem Reformator Johannes Calvin 2007 an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz habe er nicht nur inhaltlich und didaktisch viel gelernt für seinen weiteren wissenschaftlichen Werdegang, sondern sich als einziger Katholik dort auch immer willkommen gefühlt. Auch das sei eine Begegnung zweier konfessioneller Kulturen gewesen. Mit ihrer Arbeit zeige Professor Dr. Judith Becker, dass dort, wo echte Begegnung stattfindet, der und das Fremde eine Bereicherung sind, ohne dass das Eigene aufgeben werden müsse. Und das sei, so Dr. Ewerszumrode, eine absolut wichtige Erkenntnis in einer Zeit, wo die Ablehnung des Fremden immer lautere Töne annehme.

Preisträgerin Prof. Dr. Judith Becker, geboren 1971 in Schwelm, hat Evangelische Theologie, Philosophie und Geschichte in Bochum, Wuppertal und Paris studiert. Sie promovierte 2006 zur Dr. theol. an der Ruhr-Universität Bochum und hat seit 2007 als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Europäische Geschichte an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz gelehrt und geforscht. Zum Wintersemester 2017/18 hat Prof. Dr. Judith Becker einen Ruf an die Humboldt-Universität zu Berlin angenommen und die Professur für Kirchengeschichte mit dem Schwerpunkt Mittlere und Neuere Kirchengeschichte (Reformation) angetreten. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten zählen unter anderem Missionsgeschichte in der Kontaktzone europäischer und außereuropäischer Religionen und die Transformation europäischer Wertvorstellungen und Spiritualität in diesem Kontakt mit dem »Anderen«.

Die PTH St. Augustin hat den Preis „Begegnung der Kulturen“ zum dritten Mal vergeben. Geehrt werden theologische Monografien, die sich mit Fragestellungen aus dem Studienschwerpunkt „Mission, Kulturen und Religionen“ der PTH befassen. Bewerben konnten sich Wissenschaftler/-innen, die ihre Monografie zwischen 2015 und 2017 im deutschsprachigen Raum veröffentlicht haben. Erster Preisträger war Dr. habil. Hansjörg Schmid. Er erhielt 2013 den Wissenschaftspreis „Begegnung der Kulturen“ für seine Habilitationsschrift „Islam im europäischen Haus. Wege zu einer interreligiösen Sozialethik“. 2015 wurde Dr. Judith Gruber für ihre Dissertation „Theologie Interkulturell. Eine fundamentaltheologische Studie nach dem Cultural Turn“ mit dem Preis ausgezeichnet.

 

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Preis Begegnung der Kulturen_Werle + Becker: Professor Dr. Bernd Werle, Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule SVD St. Augustin überreicht Professor Dr. Judith Becker den Wissenschaftspreis-Preis „Begegnung der Kulturen“.
Preis Begegnung der Kulturen_Werle + Becker: Professor Dr. Bernd Werle, Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule SVD St. Augustin überreicht Professor Dr. Judith Becker den Wissenschaftspreis-Preis „Begegnung der Kulturen“.
Preis Begegnung der Kulturen_Becker: Professor Dr. Judith Becker hat zum Wintersemester 2017/18 den Ruf an die Humboldt-Universität zu Berlin angenommen.
Preis Begegnung der Kulturen_Becker: Professor Dr. Judith Becker hat zum Wintersemester 2017/18 den Ruf an die Humboldt-Universität zu Berlin angenommen.
Preis Begegnung der Kulturen_Werle: Rektor Professor Dr. Bernd Werle würdigte die Arbeit der Preisträgerin als herausragend und inspirierend.
Preis Begegnung der Kulturen_Werle: Rektor Professor Dr. Bernd Werle würdigte die Arbeit der Preisträgerin als herausragend und inspirierend.
Preis Begegnung der Kulturen_Everszumrode: Einen persönlichen Bogen zur Preisträgerin schlug Laudator Dr. Frank Ewerszumrode OP, Lektor für Dogmatische Theologie an der PTH Sankt Augustin.
Preis Begegnung der Kulturen_Everszumrode: Einen persönlichen Bogen zur Preisträgerin schlug Laudator Dr. Frank Ewerszumrode OP, Lektor für Dogmatische Theologie an der PTH Sankt Augustin.