Frühjahrsakademie: Festliche Freuden auf Sumba

12.07.2017

Sankt Augustin / Deutschland - Mit einem Vortrag über sumbanesische Beerdigungs- und Hochzeitriten endete die diesjährige Frühjahrsakademie der Philosophischen-Theologischen Hochschule Sankt Augustin zum Thema „Gesichter Jesu“.

In den vierten und letzten Teil der Frühjahrsakademie referierte Pater Devis SVD am Freitag, den 30. Juni über die Familien- und Ehe-Vorstellungen auf der indonesischen Insel Sumba.

Die traditionelle Gesellschaft auf Sumba

„Das Denken der Sumbanesen beruht auf dem Grundsatz: Großzügigkeit erwartet Großzügigkeit“, berichtete Pater Devis, der selbst von Sumba stammt. Dieses Denken mache das Individuum zum einem abhängigen Wesen als Stammesmitglied. Man wendet sich nicht gegen den Stamm und dessen Interessen. Alte Menschen werden wegen ihrer Erfahrung sehr geachtet, ebenso genießt die Frau als Garant der Fruchtbarkeit und Fortbestand der Familie ein hohes Ansehen. Außerehelicher Verkehr wird mit einer hohen Geldstrafe geahndet.

Das Publikum diskutierte engagiert mit.  
Das Publikum diskutierte engagiert mit.

Der traditionelle Glaube der Sumbanesen

„Die Sumbanesen glauben an einen Schöpfergott, den sie Pande Pehu Tamu nennen“, so Pater Devis. Dies sei auch der Anknüpfungspunkt für die christlichen Missionare gewesen. Weil die Sumabenesen nicht an die Schöpfung aus dem Nichts glauben, nennen sie Gott auch Vater und Mutter der Menschen. Für die Sumbanesen liegen Leben und Tod nahe beieinander, ebenso wie die Trauer und die Freuden darüber, dass der Verstorben vorangegangen ist in das ewige neue Leben, indem man sich alsdann wiedersehen wird.

Die Toten in Zentrum des Lebens

Zu Ehren der Toten gibt es große und lange Feierlichkeiten. Die Toten werden als Zeichen für den Beginn des neuen Lebens in embryonaler Stellung bestattet. Die aufwendigen Gräber, bedeckt mit einer bis zu 12 Tonnen schweren Steinplatte, liegen in der Dorfmitte, dem Zentrum des Alltagslebens. Auf dem Grab spielen die Kindern, es wird gegessen und gefeiert. Auf Sumba wird der Ahnenkult als ein Zusammenleben der Lebenden mit den Toten gedacht, welche symbolisch sogar zusammen im Haus bewohnen.

Pater Devis bei seinem Vortrag an der Frühjahrsakademie der PTH  
Pater Devis bei seinem Vortrag an der Frühjahrsakademie der PTH

Komplizierte Hochzeitspolitik

In West- und Südwest-Sumba wird Exogamie, das heißt die Eheschließung nur außerhalb des eigenen Clans praktiziert. Wer dagegen verstößt, wird aus den Clan ausgeschlossen. Damit soll Frieden durch den Schluss von politischen Allianzen gewahrt werden. Der Stamm des Mannes – Doma genannt –gilt, weil er eine Frau erhält, als begünstigt. Er muss dem Stamm der Frau – Loka genannt – eine „Mitgift“ als Wertschätzung für den Erhalt seiner Frau zahlen.

Die Verhandlungen zwischen den beiden Familien über die Mitgift können Tage dauern und werden in einer symbolischen Weise in der traditionellen Sprache des Stammes der Frau geführt. Daher werden manchmal Übersetzer benötigt. Die Mitgift beinhaltet Dinge, die die Rolle der Frau und ihr Handwerk symbolisieren wie: Fruchtbarkeit darstellenden Schmuckstücke, Webtücher, traditionelle Lanzen, Schweine oder Wasserbüffel.

Wenn man die oft horrenden Summen nicht zahlen kann, Hilft der Clan aus oder es wird Ratenzahlung vereinbart. Da viele dies sich trotzdem nicht leisten können, kommt es auch häufig zum Diebstahl. Die Missionare setzten sich deswegen vehement dafür ein, die Preis für die Mitgift zu senken.

Josua Falkenau
 

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