Anausti Jesu Christo!

05.05.2017

Sankt Augustin / Deutschland - Frater Severin Parzinger SVD, traditionelle Festkultur in Bolivien

Mit dem Thema „Anausti Jesucristo! Gelobt sei Jesus Christus! Traditionelle Festkultur der frühen Jesuitenmissionen in Chiquitos, Bolivien“ gestaltete Frater Severin Parzinger SVD den zweiten Vortragsabend der Frühjahrsakademie der Philosophisch-Theologischen Hochschule SVD St. Augustin.

Die Frühjahrsakademie steht in diesem Jahr unter dem Motto „Die Gesichter Jesu: Christliche Traditionen weltweit”.

In seinem Vortrag brachte Frater Parzinger den rund 80 Zuhörern die Traditionen und die österlichen Festriten der Dorfgemeinschaft in San Miguel de Velasco, die sich vom Karnevalssonntag bis Ostermontag erstrecken nahe. San Miguel ist eine von zehn ehemaligen Jesuitenmissionen in der Region Chiquitos im östlichen Bolivien. Deren Bräuche sind einerseits von Traditionen aus vorjesuitischer Zeit, andererseits vom barocken Katholizismus der Gesellschaft Jesu, die zwischen 1691 und 1767 dort ansässig war, geprägt.

In der religiösen Praxis spielen die Sermones , die traditionellen Predigten der Caciques, der Dorfchefs, eine ebenso wichtige Rolle wie die Prozessionen und szenischen Darstellungen des Leidens und Sterbens Jesu am Kreuz, wie auch seiner Grablegung und Auferstehung. In ihrem greifbaren und leibhaftigen Erleben des Leidens und der Auferstehung Jesu sind sie beeindruckende Zeugnisse von der Volksfrömmigkeit der indigenen Bevölkerung. „Wenn Sie mal nicht wissen, was Sie tun sollen, fahren Sie zur Karwoche nach Bolivien,“ so der Rat von Frater Parzinger. Er selbst war dort von 2008 bis 2010 und jüngst von 2015 bis 2016 und hat dort zusammen mit einem Team freiwilligen Helfern die Sermones aufgezeichnet, editiert und übersetzt.

Neben vielen Bildern und Klangbeispielen, angefangen vom typischen Glockengeläut zu Beginn der Fastenzeit bis hin zu traditioneller Prozessionsmusik, die auf Trommeln und Flöten gespielt wird, wurde den Besuchern der Frühjahrsakademie die Kultur aus Chiquitos auch durch Livemusik nahegebracht. Severin Parzinger und Isabel Spier (Violine), Andrea Simon (Cello) und Kaan Öcal (Cembalo) spielten vor Beginn, in der Mitte und am Ende des Vortrags jeweils eine dreisätzige Sonata Chiquitana, spätbarocke Triosonaten von anonymen indigenen Komponisten aus der Gegend. Diese Sonaten sind Teil einer erstaunlichen Sammlung von etwa 5000 Notenblättern, die Teil des dortigen kulturellen Erbes sind und in der Kirche gespielt werden – ein eindrucksvolles Zeugnis von der Verschmelzung indigener und westlicher Kultur. Seit 1990 gehören die ehemaligen Jesuitenreduktionen der Chiquitos zum UNESCO Weltkulturerbe.

Das chiquitanische Gesicht Jesu, das Parzinger den Teilnehmern der Frühjahrsakademie nahebrachte, ist das eines “sehr menschlich erlebbaren” Jesus, der weint, leidet, friert, die Hl. Messe feiert, predigt, sich beschenken lässt, beleidigt ist, sich freut und tanzt, aber auch befreit, erlöst, der Herr ist, der uns Leben gibt, uns den Weg zeigt und uns richtet.

Mehr zur Arbeit von Frater Severin Parzinger in Bolivien
Parzinger schloss seinen Vortrag mit dem traditionellen Gebet in Chiquitano, der mittlerweile fast verlorengegangenen Sprache der Chiquitanos, in der auch die Sermones verfasst sind.

Daniel Höhr

 

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Prozession in der Osternacht: Der auferstandene Christus mit Maria von Galiläa  
Prozession in der Osternacht: Der auferstandene Christus mit Maria von Galiläa
Severin Parzinger und Isabel Spier (Violine), Andrea Simon (Cello) und Kaan Öcal (Cembalo) brachten die originale Barockmusik aus den Jesuitenreduktionen zu Gehör. 
Severin Parzinger und Isabel Spier (Violine), Andrea Simon (Cello) und Kaan Öcal (Cembalo) brachten die originale Barockmusik aus den Jesuitenreduktionen zu Gehör.
Das chiquitanische Gesicht Jesu 
Das chiquitanische Gesicht Jesu
Eine der vielen Prozessionen in San Miguel während der Karwoche.  
Eine der vielen Prozessionen in San Miguel während der Karwoche.