Steyler Missionar und PTH-Absolvent neuer Leiter von Adveniat

20.02.2017

Sankt Augustin / Deutschland - Pater Michael Josef Heinz vom Orden der Steyler Missionare folgt Prälat Bernd Klaschka als Adveniat-Hauptgeschäftsführer nach.

Pater Michael Heinz SVD (links) folgt Prälat Bernd Klaschka als Hauptgeschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat nach.
Pater Michael Heinz SVD (links) folgt Prälat Bernd Klaschka als Hauptgeschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat nach.
Text: Stephan Neumann/Adveniat, Wolfgang Finke/Steyler Missionare

Stabwechsel beim Lateinamerika-Hilfswerk der deutschen Katholiken: Pater Michael Josef Heinz vom Orden der Steyler Missionare folgt Prälat Bernd Klaschka als Adveniat-Hauptgeschäftsführer nach.

„Adveniat setzt sich für eine Welt ein, die gerechter ist als bisher, in der Armut verringert und Ausgrenzung überwunden wird, in der die kulturelle Eigenständigkeit der indigenen Völker nicht länger missachtet wird.“ So hat Prälat Bernd Klaschka bei seiner Verabschiedung am 3. März 2017 in Essen den Auftrag des Lateinamerika-Hilfswerks der deutschen Katholiken beschrieben. Sein Dank gelte den großzügigen Spendern, den Mitarbeitenden Adveniats, aber auch den „Menschen in Lateinamerika und der Karibik, insbesondere den Armen, von denen ich viel für mein Leben gelernt habe“, so der scheidende Adveniat-Hauptgeschäftsführer. Nach dreizehn Jahren im Amt löst ihn nun Pater Heinz ab, der zwanzig Jahre als Steyler Missionar in Ecuador, Nicaragua und Bolivien gelebt und gearbeitet hat. Pater Heinz ist Absolvent der PTH St. Augustin.

Pater Heinz betonte, dass er sich bei Adveniat bereits zu Hause fühle. „Ich mache mir keine Sorgen, denn ich setze mich in ein gemachtes Nest“, lobte er augenzwinkernd den Einsatz seines Vorgängers. Prälat Klaschka übergebe ihm ein gut aufgestelltes Lateinamerika-Hilfswerk. Zudem vermittelten ihm die mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 13 Nationen in der Essener Geschäftsstelle ein Stück seiner Heimat Lateinamerika. „Da ist etwas von der Weltkirche zu spüren, die ich auch persönlich in den 20 Jahren meiner Einsätze in Ecuador, Nicaragua und Bolivien mit-leben durfte“, so der neue Adveniat-Hauptgeschäftsführer. Eins ist für ihn allerdings neu: „Jetzt, wo ich nicht mehr in der Ordensgemeinschaft lebe, habe ich zum ersten Mal eine eigene Wohnung.“

Mit einem Pontifikalamt am 3. März 2017 im Dom zu Essen und einem festlichen Dank und Willkommensempfang wurde der Stabswechsel bei Adveniat gefeiert. Pater Michael Heinz SVD vom Orden der Steyler Missionare folgt Prälat Bernd Klaschka als Adveniat-Hauptgeschäftsführer.
Mit einem Pontifikalamt am 3. März 2017 im Dom zu Essen und einem festlichen Dank und Willkommensempfang wurde der Stabswechsel bei Adveniat gefeiert. Pater Michael Heinz SVD vom Orden der Steyler Missionare folgt Prälat Bernd Klaschka als Adveniat-Hauptgeschäftsführer.

Neben seinen vielfältigen Südamerika-Erfahrungen sieht Pater Heinz in dem gemeinsamen Verständnis von Pastoral eine wichtige Grundlage für seine neue Aufgabe bei Adveniat: „Mit den Steylern verfolgen wir den Ansatz einer ganzheitlichen Pastoral mit Bibelarbeit, missionarische Bewusstseinsbildung und dem Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.“

Auch der Provinzial der Steyler Missionare on Deutschland Pater Martin Üffing stellte in seiner Rede das Verbindende in den Vordergrund: „Unser Ordenscharisma und das Leitbild von Adveniat passen gut zusammen. Auch uns geht es um nachhaltige Veränderungen von menschlichen Lebenssituationen. Im Blick auf die Möglichkeiten sich einzubringen, die Pater Heinz bei Adveniat haben wird, und in der großen Nähe unserer missionarischen Anliegen teilen wir ihn gerne“. Auch wenn die Steyler Missionare Pater Heinz im Orden vermissen werden, brauchte es keine Überredungskünste, sie zu überzeugen, ihren Ordensbruder für Adveniat freizustellen. Im Gegenteil: „Unser Generalsuperior in Rom und der damalige Provinzial haben mir das Angebot von Adveniat vermittelt und mich bestärkt, es anzunehmen“, so Pater Heinz.

Das Wirken von Adveniat und ihres langjährigen Hauptgeschäftsführers Prälat Klaschke wurde bei dem Festakt zum Stabwechsel gewürdigt. „Unsere Bischöfliche Aktion Adveniat steht für großen Respekt gegenüber den indigenen Völkern Lateinamerikas und der Karibik sowie deren Kulturen, sodass wir von Ihrer Art zu leben für unser eigenes Leben und Überleben lernen können“, sagte der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Ludwig Schick von Bamberg. Adveniat, das sei Liebe zu den Menschen sowie der Kirche Lateinamerikas und der Karibik, das sei gelebte Solidarität mit den Armen und den jungen Menschen. Adveniat stehe gleichzeitig für Hoffnung auf Veränderung und Umkehr der Gesellschaft und der Kirche in Deutschland, sodass wir im Norden nicht weiter zu Lasten der Menschen im Süden lebten. „Diese Art Weltkirche und Solidarität zu leben, verdanken wir dem klaren, unerschrockenen, nachhaltigen Engagement von Prälat Bernd Klaschka“, betonte Erzbischof Schick im Essener Integrationshotel Franz.

„Adveniat ist keine Einbahnstraße von Deutschland nach Lateinamerika und in die Karibik, sondern ein Weg des Gebens und Nehmens, des Lernens und gegenseitigen Verstehens. Diesen Auftrag hat Prälat Bernd Klaschka für fast dreizehn Jahre mit viel priesterlichen und menschlichem Engagement sowie Kompetenz und Kraft ausgefüllt“, sagte Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck zuvor in seiner Predigt im Gottesdienst zum Stabwechsel im Essener Dom.

Für Kardinal Rubén Dario Salazar Gómez, den Präsidenten des Rates der Bischöfe Lateinamerikas und der Karibik CELAM, ist das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat seit mehr als 50 Jahren „das konstante Zeugnis der Solidarität“ der deutschen Katholiken mit der lateinamerikanischen Kirche. „Noch immer leben Menschen in Elend und extremer Armut“, beschrieb der Kardinal von Bogotá die prekären sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse. Er dankte Adveniat für die liebevolle, umfassende und inspirierende Präsenz in Lateinamerika, die bis in die ärmsten und bedürftigsten Gegenden des Kontinents reiche. „Dank ihrer Hilfe können die Gemeinden selbst Prozesse einer ganzheitlichen Entwicklung und einen lebendigen Glauben aufbauen“, so Kardinal Salazar beim Stabwechsel des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat.

Pater Heinz im Gespräch mit Gratulanten.
Pater Heinz im Gespräch mit Gratulanten.

Lebenslauf von Pater Michael Heinz SVD

Michael Josef Heinz wurde am 6. Oktober 1961 im saarländischen Düppenweiler geboren. Nach dem Abitur am Arnold-Janssen-Gymnasium in St. Wendel trat er 1983 dem Orden der Steyler Missionare bei. Bereits während seines Philosophie- und Theologiestudiums an der ordenseigenen Hochschule in St. Augustin bei Bonn war er zwei Jahre in Ecuador, um die kirchliche und soziale Arbeit des Ordens in Lateinamerika kennenzulernen. 1991 legte er die Ewigen Gelübde ab und wurde 1992 zum Priester geweiht.

1992 – 2000: Nicaragua
Von 1992 bis 1996 war Pater „Miguel“ Kaplan in der Pfarrei Condega, einem 10.000-Einwohner-Städtchen im Norden Nicaraguas. Dort baute er die Jugendarbeit auf, die vor allem eine Versöhnungsarbeit war – angesichts der Konflikte zwischen Stadtteilen und Dörfern, die sich entweder mehrheitlich den linksgerichteten Sandinisten oder den von den USA unterstützten Contras zugehörig fühlten. Als Pfarrer in der Nachbarstadt Palacagüina (1997–2000) erlebte er 1998 den verheerenden Hurrikan Mitch, dem allein in Nicaragua 3.000 Menschen zum Opfer fielen, aber auch die Leistungsfähigkeit der Institution Kirche. Die Organisation der Soforthilfe übergab der Bürgermeister in die Hände der bis ins kleinste Dorf gut vernetzten Pfarrgemeinde.

Pater Heinz hat 20 Jahre in Südamerika gelebt und gearbeitet.

2000 – 2007: Rom
Nach seiner Rückkehr in den niederländischen Gründungsort des Ordens, Steyl, im Jahr 2000 wurde Pater Heinz auf dem Generalkapitel, der Versammlung der Steyler Missionare, beauftragt, im römischen Generalrat des Ordens den Bereich „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ zu leiten. Auf zahlreichen Reisen lernte er die von ihm koordinierte Projektarbeit der Steyler Missionare in aller Welt kennen.

2007 – 2016: Bolivien
Pater Heinz wollte wieder an die Basis – und nach Lateinamerika. Als die Amtszeit in Rom beendet war, ging er ins bolivianische Tiefland. Die Ausbildung von Laien zu Gemeinde-, Jugend- und Bibelkreisleitern war eine seiner Hauptaufgaben im Bistum San Ignacio de Velasco. 2009 ernannte Bischof Karl Stetter ihn zum Generalvikar. Nach seiner Wahl zum Ordensoberen der Steyler in Bolivien 2011 legte er das Amt des Generalvikars nieder. Eine Stadt- und eine Landpfarrei sowie mehrere soziale Projekte leiten die Steyler an drei Standorten in Bolivien: in El Alto im Hochland, in Cochabamba und im Tiefland in Santa Cruz und dem angrenzenden Bistum San Ignacio. Am Herzen lag Pater Heinz insbesondere der Aufbau einer Modellfarm. Sie soll mit einer ökologischen Rinderzucht künftig Gewinn erwirtschaften, um die Sozialprojekte zu finanzieren. Kleinbauern in der Umgebung werden dort zudem in alternativen Anbaumethoden und Wiederaufforstungsprogrammen geschult. In der Landwirtschaftsschule werden Jugendliche in den Bereichen Imkerei und Schafzucht sowie im Anbau von Kaffee, Ananas und Yucca ausgebildet.

Seit 1. März 2017
Seit dem 1. März 2017 ist Pater Michael Heinz Hauptgeschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat mit Sitz in Essen. Die deutschen Bischöfe hatten ihn dazu auf ihrer Frühjahrsvollversammlung 2016 gewählt.