Zeit der Orden – eine Reserve der Zukunft?

09.12.2015

Impulsvortrag von Prof. Dr. theol. habil. Ulrich Engel OP

Prof. Dr. Ulrich Engel OP

Papst Franziskus sprach von den Orden als einer „Reserve für die Zukunft“, aber die „Zeit der Orden“, wie ein inspirierendes Buch von J. B. Metz 1977 hieß, scheint zu Ende zu gehen. Zwischen diesen beiden Polen bewegte sich der Beitrag von Prof. Dr. Ulrich Engel OP am dritten Studientag der PTH Sankt Augustin, an dem es um Visionen von der Mission und der Zukunft des Ordenslebens im Missionsland Deutschland ging.

Prof. Engel setzte sich mit der Idee einer „Reserve“ auseinander. Der Aspekt der Ungleichzeitigkeit der aktuellen Gesellschaft ist ihm dabei wichtig und stellt die Idee sowohl einer „Zeit der Orden“ wie auch eine „Reserve der Zukunft“ in Frage: Das (Ordens)Leben kann sich heute nicht mehr an der Vergangenheit (Tradition) noch an der Zukunft (Utopie) orientieren, um für die Aktualität einen Sinn und eine Handlungsperspektive zu erarbeiten. Vielmehr geht es um ein Ausschöpfen der „Zeit, die noch bleibt“, ein Gestalten der „Jetzt-Zeit“, die sich unter einen eschatologischen Anspruch gestellt weiß und unter diesem Vorbehalt auf die Anforderungen der Gegenwart eingehen kann. Mission heute würde dann heißen, das Eschatologische als Jetztzeit zu leben, also die Gegenwart Christi in der Welt heute wahrzunehmen. Prof. Engel fasste seinen Beitrag mit einer Einsicht Karl Rahners zusammen, dass die „wirkliche Praxis nicht in der Ausführung des Geplanten besteht, sondern im Wagnis des Ungeplanten“.

In der anschließenden Diskussion ging es um das Verhältnis von Kirche und Orden und dem Ort von Kirche und Orden innerhalb der Gesellschaft. Ein weiterer Kristallisierungspunkt war die Frage der „Zeichen der Zeit“, die immer dann, wenn sie verstanden und angenommen werden, auch die Orden selbst verändern, weil sie vor allem eine Beziehung zu Welt und Gesellschaft ansprechen.

Auch an diesem letzten Studientag stellten sich am Nachmittag mehrere Erfahrungen und Versuche vor, wie verschiedene Gemeinschaften eine Aktualisierung ihrer „Zeit der Orden“ versuchen.