„Wir müssen intensiv weiterforschen“

02.10.2014

Sankt Augustin / Deutschland - Sehr zufrieden zeigten sich die Veranstalter des Workshops “I have called you by name. Contribution of Chinese Women to the Church”, der vor einigen Tagen auf dem Campus der Steyler Missionare in Sankt Augustin stattfand.

Rund 60 Teilnehmer aus Europa, Asien und Amerika trafen sich auf Einladung des Instituts Monumenta Serica (IMS), des China-Zentrums und der Philosophisch-Theologischen Hochschule sowie der Zweigstelle des IMS, des Monumenta Serica Research Center, und der Academia Catholica, beide an der Katholischen Fu Jen Universität in Taipei, um zwei Tage lang über die Rolle von Frauen im chinesischen Christentum zu diskutieren. Erstmals fand ein Workshop statt, der sich mit der Bedeutung von Frauen in den verschiedenen christlichen Konfessionen Chinas befasste.

“Frauen haben in den christlichen Konfessionen in China immer eine große Rolle gespielt und diese Rolle muss noch tiefer erforscht werden”, betont Pater Dr. Piotr Adamek, Leiter des IMS. „Vor allem aber muss in der chinesischen Kirche selbst das Bewusstsein für die Wichtigkeit der Frauen geschärft werden. Leider bleiben die Fragen, die chinesische Frauen in der Kirche heute stellen, von den Männern bisher weitgehend ungehört. Hier muss man bestimmt noch ein Stück Sensibilisierungsarbeit leisten“, so Adamek.

Frauen bewahrten den Glauben und gaben ihn weiter

Die größte Herausforderung in der Wissenschaft ist, dass die chinesischen Christinnen im Laufe der Jahrhunderte wenig greifbare Spuren hinterlassen haben, erläutert Barbara Hoster, Sinologin und Mitarbeiterin im IMS: „Es fehlen Dokumente und Namen, zumal das Christentum in der chinesischen Geschichte immer wieder verboten war. Dennoch wissen wir, dass Frauen viel dazu beigetragen haben, dass der Glaube bewahrt und weitergegeben wurde.“ Zugleich war das Christentum für Chinesinnen früherer Zeiten eine Chance, aus dem traditionellen Rollenverständnis auszubrechen. „Anstatt zu heiraten und sich einem Ehemann unterzuordnen, blieben die Frauen unverheiratet und wurden als Jungfrauen für ihren Glauben aktiv“, schildert Hoster die Vorläuferinnen der geistlichen Frauenorden in China.

Vertiefte Theologie der Frau gefordert

Professor Bernd Werle, Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule, richtet den Blick über China hinaus: „Die Frage nach der Rolle der Frau ist in der gesamten Katholischen Kirche hochaktuell. Papst Franziskus hat betont, dass wir die Theologie der Frau vertiefen und zu einer neuen Wahrnehmung von Weiblichkeit gelangen müssen.“

Bei den Workshop-Teilnehmern selbst kamen vor allen Dingen die interreligiöse Mischung sowie die Verbindung von Referenten aus Wissenschaft und Laienverbänden gut an. Hoster: „Dadurch, dass sowohl renommierte Forscher als auch engagierte Laien aus verschiedenen Teilen der Welt dabei waren, waren die Diskussionen sehr lebhaft.“ Es habe sich im Laufe der beiden Workshop-Tage eine sehr herzliche Atmosphäre entwickelt, zu der sicherlich auch der ökumenische Gottesdienst beigetragen habe, meint Adamek. Eine sehr gute Basis, um die gewonnenen Kontakte und den begonnenen Dialog weiterzupflegen. Das IMS plant, die Beiträge zu dem Workshop als Sammelband herauszugeben.

Für den Workshop hat das IMS eine Ausstellung über chinesische Christinnen seit dem 16. Jahrhundert vorbereitet. Diese Ausstellung ist jetzt im Haus Völker und Kulturen, ebenfalls auf dem Campus der Steyler Missionare, zu sehen.

Am Rande des Workshops hatte Ina Ullrich, Pressereferentin der PTH, Gelegenheit mit Ana Cristina Villa Betancourt, Leiterin des Frauenreferants im Vatikanischen Laienrat, zu sprechen. Lesen Sie hier das Interview.

Eindrücke vom Workshop

 
 

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